Der Sehnsucht folgen...

...wer hat nicht schon einmal daran gedacht loszulassen, einfach aufzubrechen und den Alltag hinter sich zu lassen? Aufbruch bedeutet immer auch ein Stück weit Aufgabe von Annehmlichkeiten und Sicherheiten, Aufgabe der gewohnten Umgebung im Tausch gegen bislang unbekannte Erfahrungen, Begegnungen, Erkenntnisse und Einsichten. In den zurückliegenden Jahren habe ich mich mehrfach auf diesen Tausch eingelassen und bin auf den großen Caminos der Iberischen Halbinsel zu Fuß nach Santiago de Compostela gepilgert. Ich möchte Sie einladen, Ihren Sehnsüchten für einen Moment nachzugeben und mich ein Stück weit auf meinen Caminos zu begleiten.

Freitag, 7. März 2025

5. Tag Bolibar - Gernika - Pozueta

Hola, 

'Gernika'  steht für eine bewußt rücksichtslose und menschenverachtende Luftkriegsführung gegen die Zvilbevölkerung, der wenige Jahre später Städte wie Warschau, Antwerpen, Coventry, London und Dresden folgen sollten.


Gernika nach dem Luftangriff der Legion Condor am 26. April 1937

Die Unterstützung General Francos durch die Legion Condor war für die NS-Luftwaffe ein zynischer 'Feldversuch' unter 'realen' Bedingungen. 
Mit dem Überfall auf Polen und dem Beginn des 2. Weltkriegs am 1. September 1939 sollte dann zunächst die polnische Hauptstadt Warschau folgen.

Relief des Bildes Guernika von Pablo Picasso in Guernika, das Original ist im Museo Reina Sofiá in Madrid zu besichtigen.

Pablo Picasso hat noch im Jahr 1937 versucht, die Schrecken des Luftangriffes der deutschen Legion Condor am 26. April 1937 auf die Zvilbevölkerung Gernikas einzufangen. 



Der Baum im Wappen der Stadt ist das baskische Freiheitssymbol schlechthin, Guernika ist das administrative Zentrum von Bizkaia und gilt den Basken als 'heilige Stadt'.

Monasterio de Zenarruza


bide ona

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Donnerstag, 6. März 2025

4. Tag Deba - Bolibar

Ogi Berri!!!

Hola,

Der Tag muß mit einem leckeren tostada und einem café con leche beginnen. Heute geht es bis auf 500m ü.N.N. . 

Mein heutiges Ziel ist das Albergue Usandi in Bolibar. Von hier aus wurde der Name Bolibar/Bolívar in die 'Neue Welt' getragen. Der wohl berühmteste 'Namensträger' ist Símon Bolívar, Nationalheld mehrerer südamerikanischer und karibischer Länder; ein Museum hier in Bolibar erinnert an ihn.



Das Albergue Usandi bietet für 15€ einen Platz im Mehrbettzimmer, Heizung, sehr sauber, kostenlose Waschmaschinennutzung+Trockner, Küche mit Herd, mehrere Kühlschränke, Kaminofen, .... also, mehr geht wirklich nicht!!! *****

                                                                  ***
 
Heute spielt Athletic Club Bilbao gegen AS Rom und Dennis, der Mann an der Bar, ist schon jetzt ganz 'aus dem Häuschen'....

Die Bar ist nur 2 Min. vom Albergue entfernt, sodaß man sich hier wunderbar vor dem Schlafengehen so ganz nebenbei z.B. mit Rioja 'abfüllen' kann....

bide ona

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Mittwoch, 5. März 2025

3. Tag Zarautz - Deba

 


Hola,

für heute sind 8 Std. Sonne angesagt, die ersten Surfer sind schon im Wasser. Ich mache mich gleich auf den Weg nach Deba....


Ein unglaublich herzlicher Empfang
für zwei fußmüde Pilger

Vor genau 10 Jahren bin ich bereits auf meinem Camino del Norte bei Elixabete und Guy eingekehrt. Judith und ich wurden herzlichst empfangen und zum Abschied gab es eine Flasche 'Getariako Txakoli'!  

Eskerrik asko Elixabete und Guy!!!

Der Txakoli ist ein trockener, leicht moussierender Wein mit starkem Säuregehalt. Rebsorten sind Hondarribi Zuri (weiß) und Hondarribi Beltza (rot). Anbaugebiete sind u.a. die Regionen Bizkaia, Gipuzkoa, Riojá Álava. Der Txakoli wird zumeist als Aperitif angeboten.


Mittlerweile haben die beiden ein eigenes Label und der Txakoli hat natürlich eine geschützte Ursprungsbezeichnung (D.O. Denominación de Origen): 'Getariako Txakolina'.

BODEGAS ERLETE GOIKOA GUY DRAYSON
E&G stehen für Elixabete&Guy, 'Erlete' ist der Name des Gehöfts bzw. Weinguts. Elixabete und Guy produzieren außerdem köstlichen Sidra und betreiben einen Pensionsbetrieb 'Agrar-Touristik'. Gäste sind herzlich willkommen!!!  



bide ona

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Dienstag, 4. März 2025

2.Tag San-Sebastián - Zarautz




Hola,

Die Etappe heute hat alle Erwartungen übertroffen, fünf ***** für das Wetter, den Weg und mein Hostel direkt am Strand von Zarautz. --- Typisch für den Camino, die Etappe am Vortag ausgesprochen kräftezehrend; heute das reinste Vergnügen....
Na, und im übrigen sind ja auch seit meinem letzten Camino de la Costa del Norte genau 10 Jahre (nicht spurlos) vergangen... :-) .

Zarautz ist ein mondänes baskisches Seebad, hat einen tollen Sandstrand und es geht etwas beschaulicher zu als etwa in Donostia.

bide ona

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Montag, 3. März 2025

1. Tag Irún - San-Sebastián

Der 'Pestheilige' St. Rochus als Pilger im
Santuario de Guadalupe unweit von Irún


  Fährboot über die Riá in Pasai Donibane/ Pasajes de San Juan
      

Strand von Donostia/ San-Sebastián

Hola,

Mit ca. 34 km (27 km + 4 km Umweg + 3 km in San-Sebastián) und etwa 700 Höhenmetern war diese Etappe über teils unbefestigte Wege als Einstieg in den Camino ungeeignet. Die Rahmenbedingungen (Wetter/Landschaft) waren hingegen ausgesprochen gut, sodass man die Etappe insgesamt wegen ihrer Länge als 'partielle Vorhölle' beschreiben könnte. Was sagt der Rheinländer in so einem Fall?
"Et hätt noch emmer joot jejange...' .
... und so war es auch hier!

Baskische Kultur, baskische Küche, die Basken selbst mit einem kraftvollen Lebensgefühl prägen Donostia (2016 mit Breslau Kulturhauptstadt Europas), das Ziel meiner heutigen Etappe, die ich jedem 'ans Herz legen' möchte.

bide ona

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Sonntag, 2. März 2025

Anreise in die Autonome Gemeinschaft Euskadi/ Baskenland nach Bilbao/Irún

Hola,

die erste 'Hürde' ist genommen. Ich warte ganz entspannt auf's Check-In am Eurowings Schalter in Düsseldorf und gleich darf es losgehen...


Nach 2 Std. Flug ein erster Blick auf die baskische Küste, an der ich ab morgen entlangwandern werde. Die erste Etappe wird mich dann von Irún nach San- Sebastián führen. 




Die Provinzen Gipuzkoa, Bizkaia und Álava bilden die Autonome Gemeinschaft Euskadi (Baskenland). 
Bei einer kulturellen Gesamtbetrachtung kommt der französische Teil mit den Regionen Lapurdi, Zuberoa und Nafarroa Behera noch hinzu. 
Geographisch bildet das Baskenland den Übergang zwischen den Pyrenäen und dem Kantabrischen Gebirge mit ganzjährig mildem ozeanischem Klima im Norden und Kontinentalklima im Süden.

Das Baskische Euskara wird überwiegend im spanischen Teil des Baskenlandes gesprochen, ist im Baskenland und Navarra neben dem Spanischen Amtssprache, gilt als isolierte 'alteuropäische' Sprache, die sich gegen das Keltische, das Lateinische und gegenüber romanischen Sprachen erfolgreich behaupten konnte. Offizielle Beschilderungen, etc. finden sich im Baskenland immer in Euskara und Spanisch. Die Pflege der eigenen Sprache und Kultur sind Ausdruck eines starken baskischen Nationalgefühls, welches auch immer starke Autonomiebestrebungen genährt hat. Bekanntester Ausdruck dafür ist die Ende der 50er Jahre gegründete ETA ('Euskadi ta Askatasuna'/Baskenland zur Freiheit, 1959 als Widerstandsbewegung gegen die Franko-Diktatur gegründet ), die sich erst im Jahr 2018 entwaffnet und selbst aufgelöst hat. 

Auch die Esskultur der Basken lässt nichts zu wünschen übrig. Ich freue mich besonders auf Sidra, Txakoli (trockener Weißwein) und Rioja, auf ChorizoMarmitako (Thunfisch-Kartoffel-Eintopf), den Bacalao (Stockfisch) und natürlich auf die leckeren Pintxos.
Die Baskische Küche hat etliche Sterneköche hervorgebracht, u. a. auch Martín Berasategui, von dessen Kochkunst ich mich zusammen mit der Hl. Barbara im Bistro/ Restaurante Guggenheim in Bilbao überzeugen durfte.
Eine baskische Besonderheit sind die Txokos oder Sociedades Gastronómicas, reine Männer-Kochgesellschaften mit eigenen Vereinslokalen und Küchen. Hier trifft man sich zum Kochen, zum Speisen, zum Leben!


buen camino (oder auf Baskisch) bide ona

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Donnerstag, 27. Februar 2025

Camino de la Costa del Norte

 

Mein Pilgerausweis (Credential) aus dem Jahr 2015



 (v.l.n.r.) Flaggen der Autonomen Regionen Baskenland, 
Kantabrien, Asturien und Galicien

Hola,


im Jahr 2023 bin ich meinen letzten Camino Santiago, den Camino Francés, gegangen. Nach zwei Jahren Pause ist es jetzt endlich wieder soweit, der Camino de la Costa del Norte wartet auf mich! 

Am Sonntag, den 2. März möchte ich über Bilbao nach Irún anreisen und am Folgetag zu meiner ersten Etappe nach Donostia/ San Sebastián  aufbrechen. Auf den Tag genau vor 10 Jahren bin ich den Camino de la Costa del Norte mit meinem Freund Marius bereits gegangen. Dieser Camino im Jahr 2015 ist ebenfalls in diesem Blog dokumentiert.

Der 'Küstenweg' ist einer der ältesten Pilgerwege nach Santiago de Compostela überhaupt.  Über 850 km zieht er sich von Osten nach Westen entlang der Nordküste der Iberischen Halbinsel parallel zum Kantabrischen Gebirge. Er wird mich durch die 'Autonomen Regionen' Baskenland, Kantabrien, Asturien und schließlich nach Galicien führen. Hier liegt, heute wie im Mittelalter, das Ziel der Wallfahrer, die Kathedrale von Santiago de Compostela mit den Gebeinen des Apostels 'Jakobus des Älteren'.
Religiöse und besonders machtpolitische Impulse ließen im 9. Jhd. den 'Jakobuskult' entstehen und sich zu einer starken Kraft im Rahmen der Spanischen Reconquista (Wiedereroberung der Spanischen Halbinsel aus maurischer Herrschaft 722-1492) und der damit verbundenen Landnahme entwickeln. Jakobus avancierte zum Matamoros zum 'Maurentöter' und wurde im 20. Jhd. erneut unter der faschistischen Franko Diktatur als Nationalheiliger Spaniens 'mißbraucht'.
Bis ins 11. Jhd. galt der 'Küstenweg' im Vergleich zum Camino Francés (über die Meseta) als die sicherere Variante. Mit fortschreitenden Reconquista etabliert sich der Camino Francés allerdings als 'Hauptweg' nach Santiago de Compostela und der 'Küstenweg' gerät über Jahrhunderte aus dem Fokus der Pilger.
Im Mittelalter entsteht im Zuge der Reconquista mit Santiago de Compostela gleichzeitig ein starkes 'Iberisches Gegengewicht' zu den bis dahin bedeutendsten Pilgerorten der Christlichen Welt, zu Rom und Jerusalem. Die Rückeroberungen werden ganz bewußt politisch-religiös gefestigt, neben den Mauren müssen auch alle Juden, die nicht konvertieren, die Iberische Halbinsel ab 1492 (Alhambra-Edikt) verlassen. Diese 'sephardischen' Juden verteilten sich über den gesamten Mittelmeerraum und im Osmanischen Reich. 

Edith Ennen schreibt in ihrem Buch 'Die europäische Stadt des Mittelalters', dass die Wallfahrt Städte entstehen läßt und dem Landesausbau dient. Tatsächlich werden neben einer Verbesserung der Infrastruktur (z.B. Bau von Brücken) entlang der Pilgerwege Städte, Marktorte, Klöster und Hospize gegründet, Gotteshäuser gebaut. Für die Sicherheit der Pilger sorgen die Landesherren und, wenn auch eher indirekt, neu gegründete Ritterorden, wie z.B. der Santiagoorden, der 'Orden des heiligen Jakob vom Schwert'. Hauptaufgabe dieser Orden war die Reconquista, die Vertreibung der Mauren von der Iberischen Halbinsel, die erst 1492 mit der Einnahme Granadas durch die 'Katholischen Könige' Isabella I von Kastilien (1451-1504) und Ferdinand II von Aragon (1452-1516) vollendet wurde.

Eine wirklich spannende Geschichte hat dieser Camino de la Costa del Norte, dazu werden Begegnungen mit Pilgern aus aller Welt kommen und natürlich mit den spanischen Gastgebern und ihrer gastronomischen Kultur, die hier auf keinen Fall unerwähnt bleiben soll! 
        
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Je voudrais de tout mon cœur dédicacer ce voyage à mon frère pèlerin bien-aimé JEAN AUBRY, son épouse ROLANDE et sa sœur JACQUELINE de Saint Julien-sur-Calonne dans le Pays d'Auge. Nous avons perdu ces gens formidables. 

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Likewise this Camino is dedicated to KEN, the father of my friend Angela from Wolsingham. 

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Wie alle bisherigen Caminos steht auch dieser Camino de la Costa del Norte unter dem besonderen Schutz der Hl. BARBARA. Ihr und Ihren Nachkommen ist dieser Camino gleichsam gewidmet.

                                          "Wir sind der Weg!



im Februar 2025

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