Der Sehnsucht folgen...

...wer hat nicht schon einmal daran gedacht loszulassen, einfach aufzubrechen und den Alltag hinter sich zu lassen? Aufbruch bedeutet immer auch ein Stück weit Aufgabe von Annehmlichkeiten und Sicherheiten, Aufgabe der gewohnten Umgebung im Tausch gegen bislang unbekannte Erfahrungen, Begegnungen, Erkenntnisse und Einsichten. In den zurückliegenden Jahren habe ich mich mehrfach auf diesen Tausch eingelassen und bin auf den großen Caminos der Iberischen Halbinsel zu Fuß nach Santiago de Compostela gepilgert. Ich möchte Sie einladen, Ihren Sehnsüchten für einen Moment nachzugeben und mich ein Stück weit auf meinen Caminos zu begleiten.

Dienstag, 24. März 2015

INUNDACION *** 20. Tag San Juan de Pinera - Luarca (Lluarca) 35 km

Hola,

es regnet in Strömen, den Weg vom Gästehaus zum Frühstücksraum könnte man auch mit einem Kajak machen, was jetzt nur wenig übertrieben ist.     < 8* C, 100% Luftfeuchtigkeit>
Vor der Tür verläuft die N-632, da sollte etwas möglich sein. - Soll ich mit meinem Prinzip brechen, jeden Meter zu laufen?


Also, ich hänge hier erst mal fest, gegen Mittag soll es aufklaren.
                                         
Bin gegen Abend in Luarca eingetrudelt. Luarca ist der bedeutendste Fischereistandort Asturiens.
Interessant ist, dass viele Städte an der spanischen Nordküste römischen Ursprungs sind, Kontinuität durch eine fast 2000-jährige und meist wechselvolle Geschichte aufzuweisen haben. In neuerer Zeit hat besonders der Waalfang den Küstenstädten vorübergehend zu Wohlstand und Aufschwung verholfen, im Mittelalter hingegen eher königliche Privilegien, Marktrechte und als Folge der stark aufblühende Handel.
In der kleinen Bar 'Paris' nehm ich den Feierabendtrunk unter lauter Asturern.

Für Spanien ist heute natürlich auch ein besonders trauriger Tag wegen des Germanwing-Desasters in den französischen Alpen...





... unterwegs vor Luarca

Stadtverwaltung Luarca




buen camino

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Montag, 23. März 2015

'ET KÜTT WIE ET KÜTT' (rhein. GG, Art. 2) *** 19.Tag Aviles - San Juan de Pinera 29 km

Hola,


vielleicht gehe ich heute auch nur bis El Pitu, so genau will ich mich da jetzt nicht festlegen. Avilés werde ich jedenfalls in wenigen Minuten verlassen, habe gut geschlafen und freue mich auf den Camino, der ab jetzt nur noch durch Weiler, Dörfer und kleinere Städte führen wird.
Gerade als ich an einer Gabelung den falschen Weg nehmen will, taucht Manuel mit seinem Pferd auf; er bringt mich wieder in die Spur. Danke Manuel!


Und weiter geht es durch endlose Eukalyptus-Monokulturen, Eukalyptus ist im ozeanischen Klima Nordspaniens (Küste) mit sehr milden Wintern die Wirtschaftsbaumart schlechthin. An den Wegrändern und auf der Natur überlassenen Flächen dominieren hingegen Eßkastanie, Kiefer, Bergeiche, Ginster, Heide und Gewürzlorbeer der mitunter sogar Baumgröße erreicht und fast überall präsent ist. Orangen- und Zitronenbäume, Kamelien leuchten mit ihren Früchten und Blüten aus den Hausgärten, die hier auf dem Land noch einen ganz wesentlichen Teil zur Versorgung ihrer Besitzer beitragen.



Die Gärten werden gerade bestellt, vereinzelt habe ich sogar schon Frühkartoffelpflanzen gesehen, ein sicherer Indikator für die Milde des Klimas.

Der Himmel wird unberechenbar, trotzdem gönne ich mir eine kleine Rast in einer Bar mit WiFi auf halbem Wege.


So, jetzt weiß ich, was asturischer Regen ist. - 8 km vor der Pilgerherberge bin ich bis auf die Knochen durchnäßt im Hotel Casa Lupa gestrandet. Suzana, eine durch und durch asturische Schönheit mit geradezu unbeschreiblicher Anmut, hat mir einen Pilgersonderpreis für ein DZ mit allem Zipp und Zapp von 20 € gemacht, WiFi , TV, RIESENBAD und Frühstücksbüffet incl. . 
Ein Lob auf Suzana!!!!!!!!

Alles ist naß oder klamm vom Regen und mein Zimmer wird zu einer Trockenkammer. --- Wie muß der Pilger im Mittelalter unter solchen Wetterbedingungen gelitten haben...?
Jetzt stärke ich mich erst einmal mit einem cerveza Mahou und Thunfisch-Empanada, danach geht es in das 2x2 m große Bett zum abschnorcheln...alles wird gut... .



...und noch ein Gläschen ... am Ende des Leidensweges...

Es soll bis einschl. Donnerstagabend regnen. Starkregen macht das Pilgern fast unmöglich, zudem werden die Waldwege unpassierbar. Die Herbergen sind hier unbeheizt...es wird schwierig in den nächsten Tagen, denke ich.

                                                               ***
Diese überaus schwierige Etappe widme ich meinen lieben Brüdern Norbert und Ansgar und Nichte und Neffen Sandra, Johannes und Tobias!


'ET HÄTT NOCH EMMER JOOT JEJANGE'
(rhein. GG, Art. 3)


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Sonntag, 22. März 2015

ROUTE INDUSTRIEKULTUR *** 18.Tag Gijón - Avilés 30 km

Hola,

jetzt bin ich schon fast durch Gijón durch auf dem Pilgerweg nach Avilés, dem heutigen Etappenziel. In beiden Städten liegt die asturische Schwerindustrie und das wirkt sich natürlich auch auf den Camino aus. Und der war heute eher eine Route-Industriekultur.




Die Altstadt von Avilés entschädigt mich dann für die gut 30 km Camino überwiegend auf der Straße.



Es herrscht eine angenehme Sonntagabend-Stimmung und ich lasse den Tag bei einem Gläschen Rioja ausklingen.



                                                              ***



Diese Etappe widme ich Herbert Grönemeyer stellvertretend für den gesamten Ruhrpott. Danke Herbert für 'dauernd jetzt'!




buen camino

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Samstag, 21. März 2015

MUCHAS GRACIAS HERBERT *** 17. Tag Sebrayu - Gijon 35 km

Hola,

im Morgendunst mache ich mich auf in Richtung Gijon, die anderen schlafen noch. Nach einer guten Stunde erreiche ich Villaviciosa ('fruchtbare Stadt'). Hier liegt das Zentrum der asturischen Sidra-Herstellung inclusive einer modernen Qualitätssicherung.





Natürlich hab ich mir in Villaviciosa erst mal einen café con leche grande und ein getoastetes Riesen-Croissant mit Butter und Marmelade gegönnt. Das ist Balsam für den geschundenen Pilger ;-)
So, jetzt geht es mit Herbert Grönemeyer weiter in Richtung Gijon.... er gibt mir immer etwas Heimatgefühl unterwegs und hilft, besonders auf den letzten Tageskilometern...muchas gracias Herbert!!!



Am Ortsausgang von Villaviciosa treffe ich auf eine Versammlung von 'Kochclubs' aus ganz Spanien. Jede Region ist hier mit einer Spezialität vertreten.


Antonio fertigt Blumenkübel aus Kastanienholz

Nach dem Pass 'Alto de la Cruz' (437m) stärke ich mich in der Bar Pepito in Peón und José zeigt was er kann. Der Sidra wird aus ca. 2 m Höhe ins Glas gegossen, das dann entstehende Gemisch aus Sauerstoff und Kohlensäure macht den Sidra schön 'spritzig'. Das Glas wird auch nur etwa 2 fingerbreit gefüllt, nur ein Schluck, span. 'culete'.

escanciador Jose / Bar Pepito Peon

Ich übernachte in einer Holzhütte auf einem Campingplatz 6 km vor Gijon mit 4 anderen Pilgern. Im Restaurant gibt es als Vorspeise Pulpo-Kartoffel-Suppe*, die wahnsinnig köstlich schmeckt, dazu Brot, Wasser und Wein.



* diese Pulpo-Kartoffel-Suppe ähnelt der baskischen 'Marmitako', einziger Unterschied ist die Fischeinlage


***

Die heutige Etappe widme ich meiner Nachbarin Annemie, die sicher froh ist, wenn ich heil zurück bin. Buenos dias Annemie!!!



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Freitag, 20. März 2015

FELIZ COMPLEANOS MATTHIAS *** 16.Tag San Esteban de Leces - Sebrayu 25 km

Hola,

FELIZ CUMPLEANOS MATTHIAS!!! 60 ANOS!!!
Die heutige Etappe geht an meinen Freund und Nachbarn Matthias, der heute 60 Jahre alt wird!!! Einen schönen Tag und alles Gute aus Asturien!!!

                                                                 ****


Heute morgen ging es wieder über kleine Pfade direkt an der Küste lang. Ich treffe 2 Seeigelfischer in Neoprenanzügen und bewundere die Beute. Sofort werde ich zu einer spontanen Verkostung des orangeroten Rogens eingeladen.



Im Rogen sind alle Aromen des Meeres konzentriert, er schmeckt zudem leicht süßlich und hat eine schöne Farbe. Eine köstlichere Meeresfrucht habe ich tatsächlich nie vorher genossen.

Die Pilgerherberge in Sebrayu hat nur da Nötigste und ist unbeheizt. Ich koche aus meinen Notvorräten eine Nudelbrühe mit Brennesseln, einem frischen Ei aus der Nachbarschaft und teile mit meinen drei Mitpilgern. Später kommt noch ein mobiler Tante-Emma Laden vorbei, Sidra  und etwas Bier stehen oben auf der Einkaufsliste... :-).



buen camino

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Donnerstag, 19. März 2015

XERAL PELAYO *** 15.Tag Llanes - Ribadesella 32 km

Hola,

das Frühstück im Albergue fiel mit 3 Spiegeleiern  ungewöhnlich üppig aus. Draußen 'dröppelt' es etwas und gleich werde ich in die 2. Etappe im Principado de Asturias starten.

Der Westgoten-Heerführer Pelayo soll mit seinem Sieg über die Mauren 722 bei Covadonga/ein Marienheiligtum schon unter den Westgoten (ca.30 km südlich von hier) die Rückeroberung der Iberischen Halbinsel eingeleitet haben. - Eine nicht unerhebliche Rolle bei der Rückeroberung hat natürlich auch Santiago gespielt, dazu später mehr.
         



                                     

Nach über 3 Stunden bin ich jetzt einigermaßen durchfeuchtet in einer Bar in Naves gelandet. Gerade kommt der Briefträger rein und dem gebe ich mal gleich meine Postkarten mit, das macht man so auf dem Lande. Die Männer hier trinken Sidra, das asturische Nationalgetränk. Heute Abend werde ich den verkosten und prüfen, ob er mit dem normannischen Cidre von Familie Aubry in Saint-Julien-sur-Calonne mithalten kann! Mit 6% Alkohol hat der Sidra schon mal die Nase vorn.



Das Albergue in Ribadesella wird renoviert und ich muß jetzt noch einmal 5 km bis nach San Esteban de Leces laufen, um in einer ehemaligen Dorfschule übernachten zu können. Mein Abendessen und den Sidra schleppe ich zudem noch mit. --- Alles wird gut, um 22h liege ich im Schlafsack mit Linsensuppe und ordentlich Sidra im Bauch. --- Sidra ist herber als der normannische Bruder, aber ansonsten von einem untadeligen Geschmack!




Die heutige Etappe geht an meinen lieben Freund Gerd Reul-Kallenberg in Essen-Kupferdreh Byfang und seine Familie! Und hier gleich mal ein Verbesserungsvorschlag für seinen Gutshof:
Die Pferde in Nordspanien tragen Glocken, das sorgt für ein schönes, fast melodisches Geläut, welches dann unmittelbar quasi zu 'Bio-Tiefenentspannung' führen kann.  


buen camino

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Mittwoch, 18. März 2015

PRINCIPADO DE ASTURIAS *** 14. Tag San Vicente de la Barquera - Llanes 42 km

Hola,
heute bin ich schon seit 6 h auf den Läufen und nach 7 km Pilgerweg gönne ich mir erst mal zwei café con leche grande und ein napolitana ...mmmhhhh... wie soll ich hier je wieder herausfinden???







Gleich geht es gestärkt weiter, rechts das 'Mar Cantabrico', links die 'Cordillera Cantabrica' mit ihren schneebedeckten Gipfeln, die heute zudem noch wolkenverhangen sind. Der Camino führt über Straßen und Wege entlang der Küste, zuletzt  5 km Pfad direkt an der Steilküste. In einer Bar in Pendueles erfahre ich, dass ich schon in Asturien bin...adios Cantabria, buenos dias Principado de Asturias!



Und wer sind hier die Fürsten? König Felipe, Königin Leticia und die Töchter Leonor und Sophia. Und das hab ich gerade aus erster Hand in einer asturischen Bar erfahren. Es ist 13 h und hier wird schon ordentlich Cidra, Wein und Bier gebechert...die Kerle wissen halt, was gut ist... ;-)










So, jetzt hab ich es geschafft und bin in einem zum Albergue umgebautem Bahnhof untergekommen.




nach 42 km Llanes in Asturien 

                                                               ***

Die heutige Küsten-42km-Flach-Etappe mit Blick auf Rolis geliebte Berge widme ich meinen lieben Freunden Katrin (Bergfee) und Roli (Extrembergsteiger) aus Zürich.



buen camino

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