Der Sehnsucht folgen...

...wer hat nicht schon einmal daran gedacht loszulassen, einfach aufzubrechen und den Alltag hinter sich zu lassen? Aufbruch bedeutet immer auch ein Stück weit Aufgabe von Annehmlichkeiten und Sicherheiten, Aufgabe der gewohnten Umgebung im Tausch gegen bislang unbekannte Erfahrungen, Begegnungen, Erkenntnisse und Einsichten. In den zurückliegenden Jahren habe ich mich mehrfach auf diesen Tausch eingelassen und bin auf den großen Caminos der Iberischen Halbinsel zu Fuß nach Santiago de Compostela gepilgert. Ich möchte Sie einladen, Ihren Sehnsüchten für einen Moment nachzugeben und mich ein Stück weit auf meinen Caminos zu begleiten.

Dienstag, 7. November 2017

13./32. Tag Vilar do Barrio - Ourense




Hola,

es ist 9 h am Morgen und ich liege noch im warmen Bett. Geschlafen habe ich in dieser ***** Sterne Herberge wie ein Murmeltier. Mal kein 'Geraschel' von 'Frühpilgern' vor Sonnenaufgang, keine Handywecktöne, etc.  .   ---  Die Herbergen der Xunta der Autonomen Region Galicien haben bsd. hier auf dem Sanabrischen Weg einen hohen Standard, sind modern und oft das beste Gebäude im Dorf. Diese Herbergen sind nach meinen Erfahrungen sehr viel besser als ihr Ruf und man sollte vielleicht mit der Bewertung viel dankbarer und zurückhaltender sein, angesichts der 'Armut' und der immer noch herrschenden ökonomischen Krise im Land.




Und dann bin ich wider Erwarten doch noch in Ourense gelandet. Die Herberge ist im Convento de San Francisco untergebracht und liegt über der Altstadt.
Ourense ist für seine schwefelhaltigen Thermalquellen bekannt, die schon von den Römern genutzt wurden. In 'Aurium' (Ourense) verfielen die Römer aufgrund der Goldvorkommen geradezu in einen Goldrausch. Die 'Ausbeute' wurde über die Via de la Plata nach Sevilla transportiert. Das römische Imperium war hervorragend organisiert und dadurch in der Lage, bis in den entferntesten Winkeln des Reiches seine Interessen zu verfolgen und wenn nötig, auch rücksichtslos durchzusetzen.
Und morgen früh werde ich dank den Römern über die Puente Romano den Río Miño, der etwas weiter westlich Grenzfluß zu Portugal wird, in Richtung Cea überqueren.

buen camino

Pilgrimlittlespear 

Montag, 6. November 2017

12./31. Tag Laza - Vilar de Barrio





Hola,

die Fotos sagen alles, heute sind nur 22 km bei bestem Herbstwetter zu laufen. Die moderne, mit wifi ausgestattete Herberge in Vilar do Barrio habe ich ganz für mich. Ich glaube, ab Ourense werden die Pilger wieder zahlreicher sein.






buen camino

Pilgrimlittlespear 

Sonntag, 5. November 2017

11./30. Tag a Gudiña - Laza


Embalse das Portas



Hola,


in der Dorfbar von Campobecerros mache ich mittags einen Zwischenstop. Hier unter dem Hirschgeweih am Bullerofen geht es noch gemütlich zu.  Im Jahr 2012 habe ich hier in einer zur Pilgeherberge umgebauten Bahnstation unweit vom Dorf übernachten dürfen. Leider dient sie jetzt vorübergehend als Planungsbüro für die neue Eisenbahnstrecke nach Madrid.





Laza liegt etwa 500 m tiefer als meine Wanderstrecke heute morgen; nach Mittag ging es nur noch bergab und mit jedem Meter wurde es auch etwas milder.

In der Bar Cimadevila in Laza treffe ich am Abend auf einen kleinen Frauenstammtisch.




Manuela (1. v. links) und Consuela (3. v. links) haben in den 70er Jahren in Wuppertal und Köln gearbeitet. In Galicien trifft man sehr häufig Menschen, die als Gastarbeiter in Deutschland waren. Die Armut war hier immer Ursache von Auswanderung, bsd. im 19. Jhd. nach Südamerika. ---- Wir unterhalten uns auf Deutsch und beide 'Parteien' loben das jeweilige Gastland.




Der Wirt Paco hat nicht nur frisches Cruzcampo, sondern auch 2 Kartoffeln und 6 frische Eier von eigenen Hühnern.




2 Bier 0,25 Ltr., 6 Eier und 2 Kartoffeln kosten hier genau 4 €. In Campobecerros habe ich heute Mittag für einen cafe con leche mit Toast und Marmelade 1,50 € bezahlt... somit reicht hier incl.6 € für die Übernachtung ein Tagesbudget von 15 €.


bo camino (diesmal auf Gallego)

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Samstag, 4. November 2017

10./29. Tag Lubián - a Gudiña



Hola,

um 11 h überquere ich den a Canda Pass in 1262 m Höhe und damit auch zugleich die Grenze zu Galicien. Der Name Galicien ist von den keltischen Gallaekern abgeleitet (ab 7. Jhd. v. Chr.), keltische Kultur und das mit dem Portugiesischen verwandte Gallego haben einen hohen Stellenwert im Selbstverständnis der Gallegos.
Zwar wurde unter Kaiser Augustus der Norden (Galicien, Asturien) endgültig befriedet, allerdings blieb die Romanisierung vergleichsweise schwach.
Die Völkerwanderung machte auch vor dem  NW der Iberischen Halbinsel nicht halt, den Sueben folgten die Goten, die Mauren zeigten sich desinteressiert an Galicien. Erst mit der Entdeckung des (vermeintlichen) Apostelgrabes im Jahre 813 trat der Nordwesten der Iberischen Halbinsel aus dem Schatten der Geschichte. Der Apostel wurde zur Stärkung und Festigung der innerkirchlichen Bedeutung des späteren Santiago de Compostela und im Zuge der Reconquista als 'matamoros', Maurentöter instrumentalisiert.


Mit Äpfeln, Maronen und Haferflocken starte ich in den Tag. Immer wieder gehen schwache Regenschauer auf den Pilger nieder. Trotzdem erreiche ich am frühem Nachmittag gänzlich trocken die Herberge in a Gudina. Und das ist schon ein kleines Wunder und der Wunderglaube gehört zu einer Pilgerreise ganz sicher einfach dazu!



This stage is dedicated to family Orfanoudakis, my friend Giannis and Monika in Anopolis, SW Crete.

buen camino

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Freitag, 3. November 2017

9./28. Tag Requejo - Lubián



Hola,

ich habe 12 Std. am Stück geschlafen und bin nach einem Croissant und 2 café con leche bereit für die Überquerung des Padornelo Passes in 1355 m Höhe.
Santiago hat es in der Nacht abregnen lassen, jetzt scheint die Sonne und die Maus und ich starten etwas später als sonst üblich.












Um 14 Uhr erreiche ich etwas aufgeweicht Lubian, alles in allem habe ich im Hinblick auf das Wetter noch Glück gehabt. Die Herberge liegt direkt am Ortseingang am Camino. Ein Blick in das Gästebuch verrät mir, dass hier im Jahr 2017 etwa 4.000 Pilger übernachtet haben werden.
Der Ortsname Lubian läßt sich übrigens von span. Wolf/lobo/-s herleiten.





Und meine Stimmung bessert sich spürbar, als ich Wein, Pasta, Tomaten, Olivenöl und Knoblauch von den Pilgern vor uns im Albergue vorfinde.



Diese Etappe widme ich meinem lieben Freund Josef Waida.



buen camino

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Donnerstag, 2. November 2017

8./ 27. Tag Asturianos - Requejo

Hola,

gestern am 'todos los santos' waren alle Läden geschlossen, heute muß ich mich in Puebla de Sanabria mit Lebensmitteln eindecken, insbesondere mit Haferflocken, um für die kommenden Bergetappen gerüstet zu sein.


Der Weg führt durch stille Eichen- und Maronenmischwälder, der Boden ist durch die vielen Blätter angenehm weich. An einigen Stellen haben Wildschweine deutliche Spuren hinterlassen.
Ehemalige Steineinfriedungen sind genauso wie viele Häuser dem Verfall überlassen. Die Folgen der Landflucht sind nicht zu übersehen.


Gegen Mittag erreiche ich Puebla de Sanabria, überquere den Río Tera und bin wenig später in Requejo (1006 m ü. N.N.) am Ziel. Kaum angekommen, setzt heftiger Dauerregen ein und ich finde mich endgültig damit ab, heute nicht mehr bis Lubian zu kommen.


buen camino

Pilgrimlittlespear 

Mittwoch, 1. November 2017

7./26. Tag Rionegro del Puente -Asturianos


Hola,

gerade habe ich mir eines von 6 Betten in einer Notunterkunft in der Sporthalle  von Asturianos sichern können. Immerhin ist es sehr sauber, warm und es gibt heiße Duschen... Wir befinden uns hier auf etwa 900 m über N.N. und heute Nacht fällt die Temperatur bis auf den Gefrierpunkt.




Morgen möchte ich bis Lubian, dem letzten Dorf vor der Grenze zu Galicien kommen. Der Weg wird über den Padornelo Pass in 1355 m über N.N. führen.




Ein Vorbote auf Galicien ist auch 'Estrella Galicia' das galicische 'Fiege Bier' !  -
Und dann wird doch noch alles gut, der Pelletofen, Wein und castanes (Maronen) wärmen uns auf und außerdem spielt Real gegen Tottenham ... :-)






buen camino

Pilgrimlittlespear